Die innerliche Schwere meiner Jugend
In meiner Jugend gab es eine Phase, in der sich vieles schwer angefühlt hat. Nach außen war mein Leben ziemlich normal. Ich bin zur Schule gegangen, habe funktioniert und war Teil von allem, was eben dazugehört. Aber innerlich war da eine Enge, eine Schwere, die sich durch meine Gedanken gezogen hat. Meine Gedanken gingen immer wieder in die gleiche Richtung und meine Gefühle waren oft sehr intensiv. Und dann war da dieses leise, fast selbstverständliche Empfinden, dass das einfach so ist. Dass es vielleicht gar nicht anders sein kann. Ich habe damals nicht hinterfragt, wie ich denke. Für mich war das einfach meine Realität. Das, so dachte ich, war nun mal ich.
Wie ich den Zugang noch nicht fand
Irgendwann hat mir mein Bruder ein Buch über NLP (Neurolinguistisches Programmieren) geschenkt. Ich erinnere mich noch daran, wie ich es in der Hand gehalten habe und sofort das Gefühl hatte, dass da etwas dran ist. Es klang logisch und fast einleuchtend. Und gleichzeitig war da eine Distanz. Die Frage, die sich direkt eingeschlichen hat, war nicht, ob es stimmt, sondern ob ich es jemals wirklich umsetzen kann. Ich habe angefangen zu lesen, habe mich durch die ersten Seiten bewegt, habe es wieder weggelegt und später wieder aufgenommen. Aber ich bin nie wirklich hineingekommen. Es war, als würde ich etwas verstehen wollen, aber keinen Zugang dazu finden. Also blieb das Buch irgendwann einfach liegen.
Wie ich lernte, optimistisch zu sein
Der erste Moment, in dem sich wirklich etwas verschoben hat, kam kurze Zeit später. In meinem Psychologiestudium lernte ich den Behaviorismus und Martin Seligman kennen. Ein zentraler Teil davon war die Attributionstheorie. Sie beschreibt, wie wir Menschen uns die Ursachen für die Ereignisse in unserem Leben erklären. Mich hat das so fasziniert, dass ich mir ein Buch dazu gekauft habe. Damals war mir nicht bewusst, wie grundlegend diese Theorie für mich werden würde. Aber während ich gelesen habe, hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, nicht nur etwas zu lernen, sondern mich selbst zu erkennen. Ich begann zu verstehen, dass nicht einfach das, was passiert, mein Erleben bestimmt, sondern die Art und Weise, wie ich es interpretiere. Es sind unsere Attributionen, die uns sowohl Weite als auch Enge geben können. Bei mir war es damals vor allem Enge. Plötzlich wurden Dinge sichtbar, die vorher diffus waren. Ich habe erkannt, dass ich dazu neige, Ereignisse auf mich zu beziehen, sie als dauerhaft einzuordnen und ihnen eine Bedeutung zu geben, die weit über den Moment hinausgeht. Es war, als würde sich ein Muster abzeichnen, das ich vorher nie bewusst gesehen hatte. Martin Seligman beschreibt, dass sowohl Hilflosigkeit als auch Optimismus erlernt werden können. Und mit diesem Erkennen kam ein Gedanke, der sich zunächst ungewohnt, fast irritierend angefühlt hat. Vielleicht ist das nicht einfach so. Vielleicht habe ich das einfach irgendwann so gelernt. Ich erkannte, dass ich gelernt hatte, hilflos zu sein und dass ich auf genau die gleiche Weise auch lernen konnte, optimistisch zu sein. Ich verstand, dass ich die Art und Weise meines Denkens verändern kann. Diese Erkenntnis hat nicht sofort alles verändert, aber sie hat etwas geöffnet. Es war, als hätte sich ein erster kleiner Spalt gebildet, durch den plötzlich eine andere Möglichkeit sichtbar wurde.